Kapitel 5

Halte dich mir gegenüber immer offen

OM Sri Aurobindo Mira

Öffne meinen Verstand, mein Herz, mein Leben für dein Licht, deine Liebe, deine Kraft. Möge ich in allem das Göttliche sehen.

Offenheit ist der Wille, die Kraft und den Einfluss zu empfangen und für den Fortschritt zu nutzen; die beständige Aspiration, mit dem Bewusstsein in Kontakt zu bleiben; der Glaube, dass die Kraft und das Bewusstsein immer bei dir sind, um dich herum, in dir, und dass du dich nur nicht daran hindern lassen darfst, sie zu empfangen.

Mit der Erweiterung des Bewusstseins und der Zielgerichtetheit der Aspiration nimmt die Empfänglichkeit zu.

Meine Liebe ist stets bei dir. Wenn du sie nicht zu fühlen vermagst, dann deshalb nicht, weil du nicht fähig bist, sie anzunehmen. Es mangelt dir an Empfänglichkeit, und diese sollte zunehmen. Dazu musst du dich öffnen, und man öffnet sich nur dann, wenn man sich gibt. Gewiss versuchst du mehr oder weniger bewusst die Kräfte und die göttliche Liebe an dich zu ziehen. Diese Methode ist aber nicht gut. Gib dich ohne Berechnung und ohne Erwartung, dann wirst du fähig zu empfangen.

Das einzige, was zählen darf, ist das Göttliche, Sein Wille, Seine Manifestation, Sein Ausdruck. Dafür ist man hier, man ist das und nichts anderes. Und solange ein Gefühl von Selbst, von Ego, von Person hineinkommt, – nun – zeigt sich, dass man noch nicht der ist, der man sein sollte. Das ist alles. Ich sage nicht, dass dies über Nacht erreicht werden kann, aber es ist tatsächlich die Wahrheit.

Es ist so, weil es sogar auf diesem, dem spirituellen Gebiet, viel zu viele Leute gibt (ich könnte sogar sagen, die Mehrheit derer, die sich dem spirituellen Leben zuwenden und Yoga machen), viel zu viele von denen, die es aus persönlichen Gründen, aller Arten von persönlichen Gründen tun: einige, weil das Leben sie anekelt, andere, weil sie unglücklich sind, noch andere, weil sie mehr wissen wollen, andere, weil sie spirituell groß werden wollen, andere, weil sie Dinge lernen wollen, die sie vielleicht anderen beibringen können. Es gibt tatsächlich tausend persönliche Gründe Yoga zu praktizieren. Aber sich einfach dem Göttlichen in aller Reinheit und Beständigkeit hinzugeben, damit das Göttliche dich annimmt und aus dir etwas nach Seinem Willen macht, – nun, da gibt es nicht viele, die das tun, und doch ist es die Wahrheit, und man gelangt damit direkt zum Ziel und riskiert niemals Fehler zu machen. Aber alle anderen Motive sind immer vermischt, egobehaftet, und sie können dich natürlich hierhin und dorthin und auch sehr weit vom Ziel weg führen.

Aber dieses Empfinden, dass du nur einen einzigen Grund zum Leben, ein einziges Ziel, ein einziges Motiv, die perfekte, ganze, vollständige Hingabe an das Göttliche hast bis zu dem Punkt, dich nicht länger von Ihm unterscheiden zu können, ganz das Göttliche bist, vollständig, gänzlich ohne eine persönliche intervenierende Reaktion, – dies ist das einzige Gefühl, welches es dir möglich macht, im Leben und in der Arbeit vorwärts zu kommen. Hier bist du ganz beschützt vor allem und beschützt vor dir selbst, der größten aller Gefahren für dich. – Es gibt keine größere Gefahr als das Selbst (ich nehme „Selbst“ in dem Sinne eines egoistischen Selbstes).

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