Kapitel 5

Eine Interessante Sache

Ein Schüler: In einem selbst gibt es gegensätzliche Willensregungen.

Ja, viele. Das ist eine der allerersten Entdeckungen. Da ist ein Teil, der die Dinge so haben will; und dann, in einem anderen Moment, auf andere Weise, und ein drittes Mal will man noch etwas anderes! Außerdem gibt es sogar dies: etwas, das will und etwas anderes, das Nein sagt. Nun? Aber es ist genau dies, was man herausfinden muss, wenn man sich wenigstens etwas organisieren will. Warum sich nicht auf einen Bildschirm projizieren – wie im Kino – und dann schauen, wie man sich dort bewegt? Wie interessant das ist!

Das ist der erste Schritt.

Du projizierst dich auf den Bildschirm und beobachtest und siehst dann alles, was sich dort bewegt, und wie es sich bewegt und was passiert. Du machst eine kleine Skizze, – es wird dann so interessant. Und dann, nach einem Augenblick, wenn du dich an das Sehen ziemlich gewöhnt hast, kannst du einen Schritt weiter gehen und eine Entscheidung treffen. Oder noch ein größerer Schritt: du organisierst, arrangierst, nimmst das alles, stellst alles an seinen Platz, ordnest alles auf so eine Weise, dass du langsam eine gerade Bewegung mit einem inneren Sinn bekommst. Und dann wirst du dir deiner Richtung bewusst und kannst sagen: „Sehr gut, so wird es sein; mein Leben wird sich in diese Richtung entwickeln, denn das ist die Logik meines Wesens. Nun habe ich all das in mir geordnet, alles ist an seinen Platz gestellt, und so bildet sich natürlich eine zentrale Orientierung. Ich folge dieser Ausrichtung. Noch ein Schritt, und ich weiß, was auf mich zukommt, denn ich entscheide es….“. Ich weiß nicht, ich erzähle es euch; mir scheint es schrecklich interessant zu sein, die interessanteste Sache der Welt. Es gab nichts, keine andere Sache, die mich mehr interessiert hat.

Dies geschah, als ich fünf oder sechs oder sieben Jahre alt war (mit sieben wurde mir das sehr wichtig). Und ich hatte einen Vater, der den Zirkus liebte; er kam zu mir und sagte: „Komm mit mir; ich gehe am Sonntag in den Zirkus.“ Ich sagte: „Nein, ich tue etwas viel Interessanteres als in den Zirkus zu gehen!“ Oder auch, als mich kleine Freunde einluden, an einem Treffen teilzunehmen, bei dem wir zusammen spielen und Spaß haben würden: „Nein, ich habe hier viel mehr Spaß….“ Und das war ganz aufrichtig gemeint. Es war für mich keine Pose: für mich war es so, es war wahr. Es gab in der Welt nichts Schöneres für mich.

Und ich bin so überzeugt, dass jeder, der es so macht, mit derselben Frische und Ernsthaftigkeit, beglückende Ergebnisse erhalten wird…. Alles auf einen Bildschirm vor dir setzen und schauen, was passiert. Und der erste Schritt ist, alles zu erkennen, was geschieht. Und dann darfst du nicht versuchen, die Augen zuzumachen, wenn dir etwas unerfreulich erscheint! Du musst sie weit offen halten und alles auf diese Weise auf den Bildschirm projizieren. Dann machst du eine ziemlich interessante Entdeckung. Und im nächsten Schritt musst du dir sagen: „Weil all das in mir geschieht, warum sollte ich nicht diese Sache auf diese Weise und jene auf die andere Weise tun, und dann jene auf die Art, und würde ich so nicht etwas Logisches tun, das eine Bedeutung hat? Warum sollte ich nicht das, was im Weg steht, diese widersprüchlichen Willen, beseitigen? Warum? Und was repräsentiert das im Wesen? Warum ist das da? Wenn es dort hingesetzt würde, würde es mir nicht helfen, statt Schaden anzurichten?“ Und so weiter.

Und langsam, Schritt für Schritt siehst du klarer, und dann siehst du, warum du so bist, was du zu tun hast, – das, wofür du geboren bist. Und dann, ganz natürlich, weil alles hierfür organisiert ist, wird der Weg klar und du kannst im Voraus sagen: „Genau auf diese Weise wird es geschehen.“ Und wenn von draußen etwas kommt und versucht, all das zunichte zu machen, kannst du sagen: „Nein, ich akzeptiere dies, weil es hilft; ich lehne das ab, weil es schadet.“ Und dann, nach einigen Jahren, lenkst du dich, wie du ein Pferd lenken würdest: du tust, was immer du möchtest, auf die Art, wie du es möchtest, und du gehst dahin, wohin immer du möchtest.

Mir scheint, dies ist die Mühe wert. Ich glaube, es ist das Interessanteste.

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