Kapitel 4
Das supramentale Ziel
Worte Sri Aurobindos
Ein göttliches Leben in einem göttlichen Körper, heißt das Ideal, das wir vor Augen haben.…
Wir sind tatsächlich, als Resultat unserer Entwicklung, bei der Möglichkeit dieser Transformation angekommen. So wie sich die Natur über die Materie hinaus entwickelt und Leben geoffenbart hat, über das Leben hinaus das Mental geoffenbart hat, so muss sie über das Mental hinaus ein Bewusstsein und eine Macht der Existenz offenbaren, ein supramentales Bewusstsein oder Wahrheitsbewusstsein, das von der Unvollkommenheit und Begrenztheit unseres mentalen Daseins frei und fähig ist, die Macht und Vollkommenheit des Geistes zu entfalten. Und hier braucht die Art und Weise unserer Entwicklung nicht mehr in einer langsamen und zögernden Wandlung zu bestehen; sie wird diesen Charakter mehr oder weniger nur so lange haben, als die mentale Unwissenheit unseren Aufstieg aufhält und erschwert; sobald wir aber in das Wahrheitsbewusstsein hineingewachsen sind, wird die spirituelle Wahrheitskraft seines Wesens alles bestimmen. Zu dieser Wahrheit sollen wir befreit werden, und sie wird Denken, Leben und Körper umformen. Die natürlichen Kräfte des supramentalen Wahrheitsbewusstseins wie Licht und Seligkeit, Schönheit und die Vollkommenheit eines unwillkürlich richtigen Verhaltens des ganzen Wesens werden die eigentliche Natur des Mentalen, des Vitalen und des Körpers sogar hier auf Erden in eine Offenbarung des wahrheitsbewussten Geistes umformen. Die Dunkelheiten dieser Erde werden sich gegenüber dem supramentalen Wahrheitsbewusstsein nicht behaupten können, denn dieses kann vom allwissenden Licht und der allmächtigen Kraft des Geistes genug sogar in die Erde bringen, um sie zu erobern. Nicht alle mögen sich der Fülle seines Lichtes und seiner Kraft öffnen, was aber sich öffnet, muss sich in gleichem Maße auch der Wandlung unterziehen. Das wird das Prinzip der Transformation sein.
Worte Sri Aurobindos
Zu einem göttlichen Leben in einer materiellen Welt gehört notwendigerweise, dass die beiden Pole des Daseins, der spirituelle Gipfel und die materielle Grundlage, eine Einheit bilden. Die Seele, mit ihrer Lebensgrundlage in der Materie, erhebt sich zu den Höhen des Geistes; sie stößt sich nicht von ihrer Basis ab, sondern verbindet die Höhen mit den Tiefen. Der Geist steigt mit all seinem Licht, seiner Herrlichkeit und Macht in die Materie und in die materielle Welt hinab, erfüllt sie und verwandelt mit ihnen das Leben in der materiellen Welt, so dass es immer göttlicher wird. Die Umformung ist keine Wandlung in etwas bloß Subtiles und Spirituelles, zu dem sich die Materie von Natur her in Widerspruch befindet und von dem aus sie sich als Hindernis oder als Fessel für den Geist empfinden würde; sie beansprucht die Materie als eine Form des Geistes, obwohl jetzt noch eine Form, die ihn verbirgt, und verwandelt sie in ein offenbarendes Instrument – sie verwirft nicht die Energien, Fähigkeiten und Methoden der Materie, bringt vielmehr ihre verborgenen Möglichkeiten ans Licht, hebt sie auf, läutert sie und deckt die ihr eingeborene Göttlichkeit auf. Das göttliche Leben wird nichts zurückweisen, was zur Vergöttlichung fähig ist; alles soll aufgenommen, erhöht und aufs äußerste vervollkommnet werden. Das Mental, das jetzt noch unwissend ist, obwohl es nach Erkenntnis ringt, soll sich zum supramentalen Licht und zur supramentalen Wahrheit emporschwingen und sie herunterbringen, so dass sie unser Denken, unsere Wahrnehmung, unsere Einsicht und all unsere Erkenntnismittel durchdringt, bis sie in ihren innersten und äußersten Regungen die höchste Wahrheit ausstrahlen. Unser Leben, das noch so voll ist von Dunkelheit und Verwirrung und von so vielen dumpfen und niederen Zielen in Anspruch genommen, muss sich in seinem inneren Drang und in seinen Instinkten erhoben und erleuchtet fühlen und ein strahlendes Ebenbild des supramentalen Lebens über ihm werden. Das physische Bewusstsein und das physische Sein, der Körper selbst, muss in allem, was er ist und tut, eine Vollkommenheit erreichen, wie wir sie jetzt noch kaum ahnen. Es mag sogar schließlich mit dem Licht, der Schönheit und Seligkeit aus dem Jenseits überflutet werden und dem göttlichen Leben einen göttlichen Körper geben.