Kapitel 4

Beginn des Göttlichen Lebens auf der Erde

Wie die Natur sich über die Materie und das manifestierte Leben, über das Vital und das manifestierte Mental hinaus evolviert hat, so muss sie sich über den mentalen Geist hinaus entwickeln und ein von der Unvollkommenheit und Begrenzung unserer geistig-mentalen Existenz freies Bewusstsein und eine Kraft unseres Seins manifestieren – ein supramentales oder Wahrheits-Bewusstsein. Sie muss die Macht und Vollkommenheit des spirituellen Geistes entwickeln…

Es könnte sein, dass ein seelischer Wandel, eine Meisterschaft der Seele über die Natur, eine Transformation des mentalen Geistes in ein Prinzip des Lichtes und der Lebenskraft in Macht und Reinheit die erste Annäherung wären. Es könnte der erste Versuch sein, das Problem zu lösen, dem nur menschlichen Schema zu entkommen und etwas zu etablieren, das ein göttliches Leben auf der Erde, eine erste Skizze des Übermenschentums, eines supramentalen Lebens unter den Gegebenheiten der Erd-Natur genannt werden könnte. Doch dies könnte nicht der erforderliche vollständige und radikale Wandel sein: es wäre nicht die ganze Transformation, die Fülle eines göttlichen Lebens in einem göttlichen Körper…

Es könnte auch sein, dass die Transformation stufenweise vorangehen würde. Es gibt Naturkräfte, die immer noch zum mental-geistigen Bereich gehören, aber dennoch Potentialitäten einer wachsenden, über unseren menschlichen mentalen Geist hinaus gehobenen Gnosis sind und am Licht und der Kraft des Göttlichen teilhaben. Ein Aufstieg durch diese Stufen, ihre Herabkunft in das mentale Wesen mag wie der natürliche Lauf der Evolution erscheinen. Aber konkret könnte es so sein, dass diese Zwischenstufen für eine völlige Transformation nicht ausreichen. Sie sind erleuchtete Potentialitäten des mentalen Wesens, doch noch nicht supramental im vollen Wortsinne, und sie können deshalb nur eine unvollständige Göttlichkeit in das Mental herabbringen oder das Mental zu ihr erheben, aber nicht seine Erhebung in die vollständige Supramentalität des Wahrheits-Bewusstseins bewirken. Doch diese Stufen könnten zu Stationen des Aufstiegs werden, die einige erreichen und dann dort innehalten, während andere weitergehen würden und übergeordnete Bereiche einer halbgöttlichen Existenz erreichen und dort leben könnten. Man soll nicht annehmen, dass sich die ganze Menschheit in einem Block zum Supramental erheben würde; zuerst würden nur jene das Höchste oder eine Zwischenebene bei diesem Aufstieg erreichen können, deren innere Entwicklung sie für einen so großen Wandel bereit gemacht hat, oder die durch die direkte Berührung des Göttlichen zu seinem vollkommenen Licht, seiner Macht und Seligkeit erhoben wurden. Die große Masse der Menschen mag noch lange mit einer normalen oder nur teilweise erhellten und erhobenen menschlichen Natur zufrieden sein. Aber dies selbst würde eine ausreichend grundlegende Umwandlung und anfängliche Transformation des irdischen Lebens sein; denn der Weg würde allen offenstehen, die den Willen haben, sich zu erheben. Der supramentale Einfluss des Wahrheitsbewusstseins würde das irdische Leben berühren und sogar seine nicht transformierte Masse beeinflussen. Es gäbe eine Hoffnung und schließlich ein Versprechen an alle, an dem jetzt nur einige wenige teilhaben oder es verwirklichen können.

Jedenfalls würden dies nur Ansätze sein, sie könnten nicht die Fülle des göttlichen Lebens auf der Erde darstellen; es würde eine Neuorientierung des irdischen Lebens sein, aber nicht seine völlige Umwandlung. Dafür muss ein supramentales Bewusstsein uneingeschränkt walten, dem alle anderen Formen des Lebens untergeordnet wären. Sie würden von ihm als dem Meister-Prinzip und der höchsten Macht abhängig sein, zu der sie als dem Ziel aufblicken und von ihrem Einfluss profitieren und durch ein Wenig ihrer Illumination und durchdringenden Kraft bewegt werden könnten.