Kapitel 3

Spontane und mentalisierte Erfahrungen

Worte der Mutter

Wie kann man die Yogashakti wecken?

Es hängt von Folgendem ab: wenn man denkt, dass dies das Allerwichtigste in eurem Leben ist. Das ist alles.

Einige Leute setzen sich hin und meditieren, konzentrieren sich auf die Basis der Wirbelsäule und wollen sie unbedingt erwecken, aber das reicht nicht. Wenn es wirklich das Wichtigste in eurem Leben ist, wenn alles Übrige seinen Geschmack, seine Wichtigkeit verloren zu haben scheint und kein Interesse mehr weckt, wenn man spürt, dass man hierfür geboren wurde, dass man hierfür auf der Erde ist, und dass es die einzige Sache ist, die wirklich zählt, dann genügt es.

Man kann sich auf die verschiedenen Zentren konzentrieren; aber manchmal konzentriert man sich so lange und mit so viel Mühe und hat trotzdem keinen Erfolg. Und dann, eines Tages erschüttert dich etwas, du fühlst, dass du den Boden verlierst, du musst dich an etwas festhalten. Dann hältst du dich innerlich an der Vorstellung des Eins-Seins mit dem Göttlichen fest, der Vorstellung der göttlichen Gegenwart, der Vorstellung der Transformation deines Bewusstseins. Und du strebst danach, du willst es, du versuchst deine Gefühle, Regungen und Impulse um es herum zu organisieren. Und es kommt.

Einige Leute haben alle möglichen Methoden empfohlen; vielleicht waren es in ihrem Fall erfolgreiche Methoden, aber um die Wahrheit zu sagen, man muss seine eigenen Methode finden. Erfolg tritt erst ein, wenn man das getan hat, von dem man weiß, wie es getan werden muss, nicht vorher.

Wenn man es vorher weiß, macht man eine mentale Konstruktion und riskiert stark, in seinem mentalen Gebäude zu leben, das eine Illusion ist: denn wenn das Mental bestimmte Bedingungen aufbaut und diese dann realisiert sind, bestehen viele Chancen, dass es nur reine mentale Konstrukte sind, nicht die Erfahrung selbst, sondern nur ein Erscheinungsbild. Deshalb denke ich, bei all diesen wirklich spirituellen Erfahrungen ist es weiser, sie zuerst zu machen und dann erst darüber zu wissen. Wenn man darüber weiß, imitiert man sie, man stellt sich vor, sie zu machen; während, wenn man überhaupt nichts über all das weiß – wie die Dinge sind und wie sie geschehen sollten, was geschehen sollte und wie das eintreten könnte, – und ganz still bleibt und in seinem inneren Wesen eine Art Aussortierung macht, kann man plötzlich die Erfahrung machen und dann später wissen, was geschehen ist. Es ist vorbei, und man weiß – danach –, wie es gemacht werden muss, wenn man es getan hat. Auf diese Weise ist es sicher.

Man kann natürlich seine Vorstellungskraft benutzen, sich die Kundalini vorstellen und versuchen, sie zu erwecken. Aber man kann sich auch solche Geschichten erzählen. Ich habe so viele Leute mir Geschichten genau so beschreiben hören, wie sie in Büchern dargestellt werden. Sie kannten alle Begriffe und beschrieben jedes Detail. Und dann stellte ich ihnen nebenbei nur eine kleine Frage wie zum Beispiel, dass sie eine bestimmte Sache gewusst oder gefühlt haben müssten, wenn sie die Erfahrung gemacht hätten. Und weil dies nicht in den Büchern stand, konnten sie nicht antworten.

Mutter, bedeutet dies, dass es dann besser ist nicht zu lesen?

Unter der Bedingung, dass man innerlich wirklich dieses leidenschaftliche Streben hat. Wenn du dafür geboren bist, für den Yoga, und dies ist die Sache, die dein ganzes Leben dominiert, wenn du fühlst, ja, bevor du irgendetwas weißt, dass du unbedingt etwas finden musst, was in dir ist, dann reicht manchmal ein Wort, eine Unterhaltung, die dich lediglich orientiert, – und es genügt. Aber für die, die suchen, die herumtasten, die nicht absolut sicher sind, die hierhin und dorthin gezogen werden, viele Interessen im Leben haben, nicht standfest und in ihrem Willen die Verwirklichung zu erlangen nicht stabil sind, ist es sehr gut zu lesen, denn es bringt sie in Kontakt mit dem Thema, es gibt ihnen einiges Interesse an der Sache.

Was ich meine, ist, dass jede deutliche mentale Formation einer Erfahrung immer eine bestimmte Färbung gibt. Wie es zum Beispiel bei Menschen der Fall ist, die in einer bestimmten Religionsgemeinschaft erzogen worden sind: ihre Erfahrungen werden immer durch diese Religion gefärbt sein. Und tatsächlich, um wirklich einer Sache ganz auf den Grund zu gehen, muss man sich von äußeren Formationen befreien.

Aber es gibt eine Art Lesen, welches in dir ein Interesse an der Sache weckt und dir beim ersten Suchen helfen kann. Wenn man Erfahrungen gehabt hat, braucht man normalerweise den Anstoß durch einen Gedanken oder eine Vorstellung über die Sache, so dass das Bemühen auf bewusstere Weise Form annimmt. Aber je mehr man weiß, umso mehr muss man absolut aufrichtig in seiner Erfahrung sein. Das heißt, man darf nicht die formierende Kraft seines Bewusstseins dazu nutzen, sich das Erlebnis vorzustellen und es so in sich selbst zu kreieren. Vom Gesichtspunkt der Orientierung aus kann es nützlich sein; aber von der Erfahrung selbst aus gesehen, nimmt es ihr ihren dynamischen Wert. Es hat nicht die Intensität einer Erfahrung, die sich einstellt, weil die moralischen und spirituellen Bedingungen, die für ihr Eintreten nötig sind, erfüllt worden sind. Dort gibt es die ganze mentale Konditionierung, die hinzugefügt wird und etwas von der Spontaneität wegnimmt. Alles ist eine Sache der Proportion. Jeder muss die genaue Menge finden, die er braucht: wie viel Lesen, wie viel Meditation, wie viel Konzentration, wie viel… Es ist bei jedem anders.

Worte Sri Aurobindos

Das Wort hat Macht – sogar das gewöhnliche geschriebene Wort hat eine Macht. Wenn es ein inspiriertes Wort ist, hat es noch mehr Macht. Von welcher Art die Macht ist oder wozu sie verwendet werden soll, hängt von der Natur der Inspiration, vom Thema und dem Wesensteil ab, den das Wort berührt.

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