Kapitel 3

Schlechte Laune?

Siehst du, mein Kind, das Unglückliche ist, dass du dich zu viel um dich selbst kümmerst. In deinem Alter war ich ausschließlich mit meinen Studien beschäftigt – Dinge herausfinden, lernen, verstehen, wissen. Das war mein Interesse, sogar meine Leidenschaft. Meine Mutter, die uns sehr liebte – meinen Bruder und mich – erlaubte uns nie, schlechte Laune zu haben, unzufrieden oder faul zu sein. Wenn wir uns bei ihr über das eine oder andere beklagten, ihr sagten, dass wir unzufrieden seien, machte sie sich über uns lustig, schimpfte mit uns und sagte: „Was soll dieser Unsinn? Macht euch nicht lächerlich. Schnell! Raus mit euch und arbeitet, und kümmert euch nicht darum, ob ihr in guter oder schlechter Stimmung seid! Das ist überhaupt nicht von Interesse.“

Meine Mutter hatte absolut Recht, und ich bin ihr immer sehr dankbar gewesen, dass sie mich die Disziplin und Notwendigkeit der Selbstvergessenheit in der Konzentration auf das, was man gerade tut, lehrte.

Ich habe dir dies erzählt, weil die Sorge, von der du sprichst, von der Tatsache herrührt, dass du viel zu beschäftigt mit dir selbst bist. Es wäre besser für dich, wenn du dem, was du tust, mehr Aufmerksamkeit widmen und es gut ausführen würdest (Malen oder Musik), deinen Geist entwickeltest, der noch sehr unkultiviert ist, und die Wissenselemente erlerntest, die für einen Menschen unverzichtbar sind, wenn er nicht unwissend und unkultiviert sein will.

Wenn du acht bis neun Stunden pro Tag arbeiten würdest, wärst du hungrig und du würdest gut essen, du würdest dich schläfrig fühlen und friedvoll schlafen, und du würdest keine Zeit haben zu überlegen, ob du in guter oder schlechter Stimmung bist.

Ich sage dir diese Dinge mit meiner ganzen Zuneigung und ich hoffe, dass du sie verstehst.

Deine Mutter, die dich liebt.

Wenn ich mich als Kind bei meiner Mutter über das Essen oder ähnliche Kleinigkeiten beklagte, sagte sie mir immer, ich solle gehen und meine Arbeit machen oder mit meinen Studien fortfahren, statt mich über Bagatellen zu ärgern. Sie fragte mich, ob ich die selbstzufriedene Idee hätte, ich sei für Bequemlichkeit geboren. „Du bist geboren worden, um das höchste Ideal zu verwirklichen“, sagte sie und schickte mich fort. Sie hatte ganz Recht, obschon ihre Vorstellung von einem höchsten Ideal nach unseren Maßstäben ziemlich gering war.

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