Kapitel 3
Die fundamentale Realität
Worte Sri Aurobindos
Alle Existenz, unabhängig von ihrer Erscheinung oder ihrem Entstehungsprozess, ist und bezieht ihre Substanz, ihren Ursprung, ihre Energie, ihre Wahrheit aus einem göttlichen Geist, der der Anfang, die Mitte und das Ende von allem ist, der selbst ewig, unendlich, selbst-existent ist, jenseits von Ende und Anfang, jenseits von Raum und Zeit, jenseits von Form und Qualität und Umstand und sowohl in Raum und Zeit, in Form und Qualität und Umstand. Dies ist die fundamentale Realität, die sich unserer Erkenntnis entzieht, die eine Wahrheit, von der alle anderen Wahrheiten abhängen, jene, die sie bestätigen, wie jene, die ihr zu widersprechen scheinen. Sich dieser Realität und ihrer richtigen Beziehungen zu den anderen Wahrheiten oder Erscheinungen des Daseins bewusst zu sein, in ihr zu leben und durch ihre Wahrheit unser ganzes Sein, Bewusstsein, Wesen, Wollen und Handeln zu bestimmen, wäre dann das Gesetz eines vollkommenen Lebens. Wenn das menschliche Leben unvollkommen ist, dann deshalb, weil sein Bewusstsein in grundsätzlicher Unkenntnis der wirklichen Wahrheit seines eigenen Seins sucht, tastet, experimentiert und deshalb unfähig ist, das wahre Gesetz seines Lebens zu erkennen oder zu verwirklichen. Nur wenn der Mensch diese Unwissenheit und Unfähigkeit überwindet, kann er hoffen, sein Leben und seine Natur zu vervollkommnen. Ist ihm dies nicht möglich, so kann er niemals hoffen, seiner Unvollkommenheit – und dem daraus resultierenden Leiden – zu entkommen. Er kann nur entweder in seiner Unwissenheit sterben, indem er einer unheilbaren Unvollkommenheit und einem unheilbaren Leiden durch eine physische Auslöschung entkommt, oder durch eine spirituelle Auslöschung, die durch ein Erwachen der Seele zur Illusion der Geburt und der Welt und der Natur erreicht wird, und hoffen, in einen anderen überirdischen Daseinszustand zu gelangen. Das menschliche Leben auf der Erde kann daher nie etwas grundsätzlich Anderes, besseres oder vollkommeneres werden, als es jetzt ist. Die Hoffnung, wir könnten durch den Gebrauch unserer Vernunft und durch die Beobachtung oder Anwendung der Naturgesetze zu einem vollkommenen Leben auf Erden gelangen, ist vergeblich, denn unsere Natur, die selbst unwissend und unvollkommen ist, kann nichts Besseres erreichen als eine gemilderte Unvollkommenheit und Unwissenheit. Wenn es aber ein Mittel gibt, durch das wir zur wahren Erkenntnis der Wirklichkeit hinter den Dingen gelangen und in ihre Wahrheit, ihr Licht und ihre Kraft eintreten können, dann gibt es keinen Grund, warum unser Leben hier nicht göttlich und vollkommen werden sollte. Durch Yoga kann dieses Mittel gefunden und diese Entwicklung möglich werden.