Kapitel 2
Was ist Stille?
Worte Sri Aurobindos
Der Unterschied zwischen einem leeren Mental und einem stillen Mental ist folgender: Wenn das Mental leer ist, gibt es keinen Gedanken, keine Begriffe, keine mentale Tätigkeit irgendwelcher Art, außer einer essentiellen Wahrnehmung von Dingen ohne die geformte Idee; doch im stillen Mental ist es die Substanz des mentalen Wesens, die still ist – so still, dass nichts sie stört. Sobald Gedanken oder Tätigkeiten aufkommen, erheben sie sich keinesfalls aus dem Mental, sondern kommen von außerhalb und durchkreuzen das Mental wie ein Zug Vögel, der die windstille Luft durchzieht. Er fliegt vorüber, er stört nichts und hinterlässt keine Spur. Selbst wenn tausend Bilder oder die gewaltsamsten Ereignisse es durchkreuzen, bleibt diese ruhige Stille erhalten, so als wäre die eigentliche Beschaffenheit des Mentals eine Substanz aus ewigem, unzerstörbarem Frieden. Ein Mental, das diese Stille erlangt hat, kann zu handeln beginnen, sogar intensiv und machtvoll zu handeln beginnen, doch wird es seine grundlegende Stille bewahren – nichts aus sich hervorbringend, sondern von Oben empfangend und diesem eine mentale Form verleihend, ohne etwas Eigenes hinzuzufügen, ruhig, leidenschaftslos, doch in der Freude der Wahrheit, in der glücklichen Macht und dem glücklichen Licht ihres Hindurchziehens.
Worte Sri Aurobindos
Stille (calm) ist eine positive Ruhe, die trotz vordergründiger Störungen vorhanden sein kann.
Worte Sri Aurobindos
Stille (calm – sthirata) ist ein regloser, unbewegter Zustand, den keine Unruhe beeinträchtigen kann – es ist ein nicht so negativer Zustand wie Ruhe.
Worte Sri Aurobindos
In einem stillen Mental braucht es keine Gedanken zu geben. Gibt es keine Gedanken, so ist das Schweigen. Aber man sagt, das Mental sei still, wenn Gedanken, Gefühle usw. durch es hindurchgehen, es aber nicht gestört wird. Es spürt, dass die Gedanken nicht die eigenen sind; es beobachtet sie vielleicht, aber wird durch nichts beunruhigt.
Worte Sri Aurobindos
Was du über deinen Zustand schreibst, scheint als Ganzes gesehen richtig zu sein. Du hast bestimmt eine größere Stille erlangt und eine Freiheit des inneren Wesens, die du vorher nicht hattest. Dies gibt dir den Gleichmut und die Fähigkeit, den ernsthafteren Störungen zu entgehen. Wenn man diese Grundlage der inneren Stille hat, kann man den Schwierigkeiten und Unvollkommenheiten der Oberfläche ohne Aufregung und Niedergeschlagenheit begegnen. Auch die Fähigkeit, sich unter andere zu mischen, ohne dabei überflutet zu werden, hat die gleiche Ursache.
Worte Sri Aurobindos
Das Erste [Stille mit Störungen an der Oberfläche] ist die gewöhnliche grundlegende Stille des individuellen Adhara, das Zweite [vollkommene Stille im Körper und in der umgebenden Atmosphäre] ist die grundlegende unbegrenzte Stille des kosmischen Bewusstseins, eine Stille, die immer vorhanden ist, gleichgültig ob sie von allen Bewegungen getrennt ist oder diese stützt.
Dies [die grenzenlose Stille] ist die Stille des Atman, des Selbstes darüber, schweigend, reglos, unendlich.
Worte der Mutter
Verwechsle Stille nicht mit Trägheit. Stille ist selbstbeherrschte Kraft, ruhige und bewusste Energie, Beherrschung der Impulse, Kontrolle über die unbewussten Reflexe. In der Arbeit ist Stille die Quelle der Effizienz und eine unverzichtbare Bedingung für Perfektion.