Kapitel 2

Erkenne, wer Er ist

Erhebe deine Augen zur Sonne, Er ist dort in diesem wundervollen Herz des Lebens, Lichtes und der Herrlichkeit. Beobachte nachts die unzähligen Sternbilder, die wie unendlich viele Wachtfeuer des Ewigen in der endlosen Stille glitzern, die keine Leere ist, sondern mit der Gegenwart eines einzigen ruhigen und gewaltigen Seins pocht. Sieh dort Orion mit seinem Schwert und Gürtel leuchten, wie er schon den Arischen Vätern zu Beginn der Arischen Epoche vor zehntausend Jahren geleuchtet hat; Sirius in seinem Glanz und Lyra, die Billionen von Meilen fern im Ozean des Raums segelt. Erinnere dich, dass unzählige Welten, die meisten von ihnen mächtiger als unsere eigene, mit unglaublicher Geschwindigkeit auf den Wink des Alten der Tage hin segeln, wohin – weiß niemand als Er. Und dass sie doch Millionen Mal älter als dein Himalaya sind, beständiger als die Wurzeln deiner Hügel, und dass sie so bleiben, bis Er sie nach seinem Willen wie verwelkte Blätter des ewigen Baumes des Universums abschüttelt. Stelle dir die Endlosigkeit der Zeit vor, erkenne die Grenzenlosigkeit des Raumes; und dann erinnere dich, dass Er – Derselbe wie jetzt – da war, als es diese Welten noch nicht gab, und wenn es diese nicht mehr gibt, Er sein wird, immer noch Derselbe. Erkenne, dass Er jenseits von Lyra ist und dass weit entfernt im Raum, wo die Sterne des Südkreuzes nicht erblickt werden können, Er auch dort ist. Und dann kehre auf die Erde zurück und erkenne, wer dieser Er ist. Er ist ganz nahe bei dir. Siehe dort den alten Mann, welcher zusammengekauert und gebeugt mit seinem Stock nah an dir vorübergeht. Erkennst du, dass es Gott ist, der vorbeigeht? Dort rennt ein Kind lachend im Sonnenlicht. Kannst du Ihn hören in jenem Lachen? Ja, Er ist sogar noch näher bei dir. Er ist in dir. Er ist du. Es bist du selbst, der Millionen von Meilen entfernt in den unendlichen Weiten des Raumes brennt, der mit zuversichtlichen Schritten auf den taumelnden Wellen des himmlischen Meeres geht. Es bist du, der die Sterne an ihren Platz gesetzt und die Halskette der Sonnen geknüpft hat – nicht mit den Händen, sondern durch jenen Yoga, jenen stillen, nicht handelnden unpersönlichen Willen, der dich heute, lauschend auf dich selbst in mir, hierher gesetzt hat. Schau auf, oh Kind des alten Yoga, und sei nicht länger ein Zauderer und Zweifler; fürchte dich nicht, zweifle nicht, trauere nicht; denn in deinem scheinbaren Körper ist Einer, der Welten in einem Atemzug erschaffen und zerstören kann.

Ja, Er ist in allem hier ein grenzenloser Ozean spiritueller Kraft; denn wenn Er nicht wäre, könnten weder das äußere Du noch das äußere Ich noch diese Sonne noch alle diese Welten nicht einmal nur für einen Millionstel Teil der Zeit bestehen, den ein Wimpernschlag braucht. Aber Er ist auch außerhalb davon. Sogar in Seiner Manifestation ist Er außerhalb in dem Sinne, dass Er alles übersteigt, atyatishthaddashangulam [Purushasukta 1.Vers]; in Seinem Unmanifestiertsein ist Er gänzlich von allem getrennt. Diese Wahrheit ist schwerer zu begreifen als die andere, aber es ist notwendig sie zu begreifen. Es gibt eine Art Pantheismus, der das Universum als Gott ansieht und nicht Gott als das Universum; aber wenn das Universum Gott ist, dann ist Gott materiell, teilbar, wandelbar, der bloße Fluss und Rückfluss der Dinge; aber sie alle sind nicht Gott in Sich Selbst, sondern Gott in Seinen Schatten und Erscheinungen. Sie sollen dann unser Bild der Schatten und Erfindungen von Shakespeares Geist wiederholen; Shakespeare ist nicht nur größer als seine ganze Dramen-Welt zusammengenommen, er ist nicht nur in und außerhalb von ihr, sondern von ihr getrennt und anders als sie.