Kapitel 2

Die Vergangenheit und die Gegenwart

Die Vergangenheit:

Die dunkle rätselhafte Schöpferin erlöst endlich wirklich das geheime Bewusstsein aus seinem mächtigen Gefängnis; aber sie lässt es langsam frei, nach und nach, in winzigen, unendlich kleinen Tropfen, in dünnen Strahlen, in kleinen vibrierenden Verdichtungen von Energie und Masse, von Leben, von Mental, als ob das alles wäre, was sie aus dem derben Hindernis, dem dumpfen zögerlichen Medium eines nichtbewussten Materials des Daseins herausholen könnte. Zuerst bewohnt sie Formen von Materie, die völlig unbewusst zu sein scheinen, kämpft sich dann zu einer als lebende Materie verkleideten mentalen Substanz vor und erlangt diese auf unvollkommene Weise im bewussten Tier. Dieses Bewusstsein ist zunächst rudimentär, meistens ein halb unterbewusster oder gerade einmal bewusster Instinkt; es entwickelt sich langsam, bis es in organisierteren Formen lebender Materie seinen intelligenten Höhepunkt erreicht und sich im Menschen, dem denkenden Tier, selbst übertrifft. Dieser entwickelt sich zu dem vernunftbetonten mental-geistigen Wesen, trägt aber sogar auf seiner höchsten Ebene die Gussform der ursprünglichen Tierhaftigkeit in sich, das tote Gewicht des physischen Unterbewussten, den herunterziehenden Gravitationssog der originalen Trägheit und Nichtbewusstheit, die Herrschaft einer nichtbewussten materiellen Natur über seine bewusste Evolution, ihre Macht zu Einschränkung und ihre innewohnende schwierige Entwicklung und immense Kraft der Verzögerung und Frustration. Diese Herrschaft des ursprünglichen Nichtbewussten über das aus ihm hervorgehende Bewusstsein nimmt die allgemeine Form einer Mentalität an, welche um Wissen kämpft, die aber in dem, was ihre fundamentale Natur zu sein scheint, doch ein Unwissen ist. Der mentale Mensch, behindert und beladen, muss sich noch aus sich selbst heraus zu einem völlig bewussten Wesen entwickeln, einem göttlichen Menschsein oder spirituellen und supramentalen Menschsein, welches das nächste Ergebnis der Evolution sein wird. Dieser Übergang wird den Übergang von einer Evolution in Unwissenheit zu einer größeren Evolution in Wissen kennzeichnen, die im Licht des Überbewussten und nicht mehr im Dunkel der Unwissenheit und Nichtbewusstheit gründet und sich entwickelt.

Dieses irdische Voranschreiten der Natur von Materie zu mentalem Geist und darüber hinaus geht in einem doppelten Prozess vor sich: es gibt einen äußerlich sichtbaren Schritt der physischen Entwicklung mit der Geburt als Motor, – denn jede entwickelte körperliche Form, die ihre eigene evolvierte Bewusstseinskraft in sich trägt, wird von Vererbung und Kontinuität unterstützt und aufrecht erhalten. Gleichzeitig gibt es einen unsichtbaren Prozess der Seelenentwicklung, die auf der Wiedergeburt in aufsteigende Grade von Form und Bewusstsein beruht.

Die Gegenwart:

Das Verlangen des Menschen nach Spiritualität ist der innere Drang des Geistes in ihm, hervorzutreten, und das Bestehen der Bewusstseins-Kraft des Wesens auf dem nächsten Schritt ihrer Manifestation. Es ist wahr, dass der spirituelle Drang hauptsächlich auf Jenseitiges oder in seinem Extrem auf eine spirituelle Negierung und Selbstauslöschung des mental-geistigen Wesens gerichtet war. Aber dies ist nur eine Seite seiner Tendenz, die von der Notwendigkeit gestützt und dominiert wird, das Königreich der fundamentalen Nichtbewusstheit zu verlassen. Sie muss das Hemmnis des Körpers überwinden, das dunkle Vital wegwerfen, die ignorante Mentalität loswerden und durch ein Zurückweisen dieser Hürden für ein spirituelles Dasein in erster Linie einen spirituellen Stand erlangen. Die andere, die dynamische Seite des spirituellen Verlangens hat nicht gefehlt: das Streben nach einer spirituellen Beherrschung und Umwandlung der Natur in eine spirituelle Vollkommenheit des Wesens, eine Vergöttlichung des Mentals, Herzens und selbst des Körpers: es gab sogar den Traum oder ein seelisches Vorausahnen einer über die individuelle Transformation hinausgehenden Erfüllung, einer neuen Erde und eines neuen Himmels, einer Stadt Gottes, einer göttlichen Herabkunft auf die Welt, einer Herrschaft der spirituell Vollkommenen, eines Königreichs Gottes nicht nur in uns, sondern auch außerhalb in einem kollektiven menschlichen Leben. Aber wie obskur einige der durch dieses Streben angenommenen Formen gewesen sein mögen, sind sie doch unmissverständlich ein Hinweis auf das Drängen des inneren verborgenen spirituellen Wesens nach einem Hervortreten in der Erd-Natur.

Wenn eine spirituelle Entwicklung auf Erden die verborgene Wahrheit unserer Geburt in die Materie ist, wenn es prinzipiell eine Evolution des Bewusstseins ist, die in der Natur stattgefunden hat, dann kann der Mensch so, wie er ist, nicht der letzte Schritt in dieser Entwicklung sein: er ist ein zu unvollkommener Ausdruck des Geistes und das Mental selbst ein zu begrenztes Gebilde und Instrument. Das Mental ist nur eine vorübergehende Form des Bewusstseins, das mental-geistige Wesen kann nur ein Übergangswesen sein. Wenn dann der Mensch unfähig ist, dieses Mental zu überschreiten, muss er selbst übertroffen werden und das Supramental und der supramentale Mensch müssen sich manifestieren und in der Schöpfung die Führung übernehmen. Aber wenn sein Mental sich dem, was über ihm ist, öffnen kann, gibt es keinen Grund, warum der Mensch nicht das Supramental und Übermenschentum erlangen sollte oder wenigsten seinen mentalen Geist, sein Leben und seinen Körper einer Entwicklung jenes größeren Ausdrucks des sich in der Natur manifestierenden Geistes zur Verfügung stellen sollte.

Wir benutzen Cookies

Wir verwenden auf unserer Website nur für den Betrieb notwendige sowie sogenannte Session Cookies, also ausdrücklich keine Werbe- oder Trackingcookies.

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Website zur Verfügung stehen.