Kapitel 2
Die Seele kann wählen, aber sie sucht jene aus, die wirklich empfänglich sind
Worte der Mutter
Wenn das Seelische in die Welt eintreten möchte, wählt es dann vorher den Körper, den es annehmen möchte?
Das ist eine interessante Frage. Es hängt von bestimmten Dingen ab. Wie ich euch gerade gesagt habe, gibt es seelische Wesen, die in der Entwicklung begriffen sind und langsam voranschreiten. Diese können anfangs gewöhnlich nicht viel wählen, aber wenn sie einen bestimmten Entwicklungs– und Bewusstseinsstand erreicht haben (normalerweise, wenn sie noch in einem physischen Körper sind und eine gewisse Menge an Erfahrung gesammelt haben), entscheiden sie zu der Zeit, wie ihr nächstes Erfahrungsfeld sein soll.
Ich kann euch einige eher äußerliche Beispiele nennen. Ein seelisches Wesen hat beispielsweise die Erfahrung von Meisterschaft, von Macht gebraucht, um die Reaktionen kennenzulernen und zu sehen, wie es möglich ist, alle diese Regungen dem Göttlichen zuzuwenden: um zu lernen, was ein Leben voller Macht einen lehren kann. Es wurde als König oder Königin geboren. Diese erfreuten sich einiger Macht und machten in jener Zeit ihre Erfahrungen; sie erreichten das Ende des Feldes der Erfahrung. Jetzt kennen sie das, was sie erfahren wollten; sie sind im Begriff zu gehen, sie sind dabei ihren Körper zu verlassen, der nun nutzlos geworden ist, und bereiten sich auf die nächste Erfahrung vor. Nun, zu der Zeit, wenn das seelische Wesen sich noch im Körper befindet und sieht, was es gelernt hat, trifft es eine Entscheidung für das nächste Mal. Und manchmal ist es eine Bewegung von Aktion und Reaktion: weil es ein ganzes Feld studiert hat, muss es das entgegengesetzte Feld kennenlernen. Und sehr oft wählt es ein ganz anderes Leben als das, was es geführt hat. Deshalb sagt es vor dem Verlassen des Körpers: „Nächstes Mal will ich in diesem Bereich geboren werden….“ Nehmen wir zum Beispiel an, dass die Seele eine Entwicklungsstufe erreicht hat, in der sie gerne die Chance haben möchte, auf den Körper einzuwirken, um ihn zu befähigen, bewusst mit dem Göttlichen in Kontakt zu treten und ihn zu transformieren. Nun ist sie im Begriff den Körper zu verlassen, in dem sie Einfluss und Macht hatte und handeln konnte, den Körper, den sie für ihr Wachstum gebraucht hat; sie sagt: „Beim nächsten Mal will ich in einer neutralen Umgebung geboren werden, weder niedrig noch hoch, in der es nicht notwendig ist (wie soll man es ausdrücken?) ein sehr äußerliches Leben zu führen, in dem man weder große Macht hat, noch viel Leid erlebt, – gänzlich neutral, wie du weißt, ein Leben dazwischen.“ Sie wählt dies. Sie kehrt für die notwendige Ruhe, für die Assimilation der gewonnenen Erfahrungen und die Vorbereitung der künftigen Ereignisse zu ihrer eigenen seelischen Welt zurück. Sie erinnert sich natürlich an ihre Wahl, und bevor sie wieder herabkommt, nachdem sie ihre Assimilation abgeschlossen hat, – wenn es Zeit ist wiederzukommen, auf die Erde herabzukommen, – kann sie von ihrer Ebene aus materielle Dinge nicht so sehen, wie wir es tun, weißt du: sie erscheinen ihr in anderer Form. Aber trotzdem können die Unterschiede vorab gesehen werden: die Unterschiede in der Umgebung. Die Unterschiede in den Aktivitäten der Umgebung werden klar gesehen, ganz spürbar. Sie kann eine Schau haben, die umfassend oder global ist. Sie kann wählen. Manchmal wählt sie das Land; wenn sie eine bestimmte Art der Erziehung, Kultur, des Einflusses wünscht, kann sie das Land vorher aussuchen. Manchmal kann sie dies nicht, manchmal wählt sie nur die Umgebung und die Art des Lebens, welches sie führen will. Und von da an, bevor sie herabkommt, hält sie nach der Art von Schwingungen Ausschau, die sie sich wünscht; sie sieht sie ganz klar. Es ist, als ob sie auf den Ort hinstrebt, auf den sie fallen will. Aber dies ist nur annähernd möglich wegen der Tatsache, dass eine andere Bedingung erfüllt sein muss: nicht nur ihre Wahl, sondern auch eine Empfänglichkeit und ein Streben von unten sind notwendig. Es muss jemanden in der von ihr gewählten Umgebung geben, normalerweise ist es die Mutter (manchmal beide Eltern, aber die unabdingbarste ist die Mutter). Sie muss ein Streben oder eine Empfänglichkeit besitzen, etwas genügend Passives und Offenes oder eine bewusste Aspiration nach etwas Höherem. Und dies entzündet für das seelische Wesen ein kleines Licht. Wenn unter dem Einfluss seines eigenen zielgerichteten Willens ein kleines Licht entzündet wird, dann weiß es, wohin es in der Masse gehen muss, welche die Umgebung repräsentiert, in der es geboren werden will.
Es ist notwendig, es ist dies, was den Unterschied in Monaten oder Tagen, vielleicht, nicht so sehr in Jahren ausmacht; aber dies verursacht eine Ungewissheit, und deshalb kann es nicht das genaue Datum voraussagen: „Zu dem Datum, an dem Tag, in der Stunde will ich geboren werden.“ Es muss ein empfängliches Wesen finden. Wenn es dieses erblickt, stürzt es herab. Aber was passiert, ist etwas wie ein geistiges Bild: es ist nicht genau das, aber etwas sehr ähnliches. Es wirft sich herab in eine Unbewusstheit, weil die physische Welt, sogar das menschliche Bewusstsein, wie immer es geartet ist, sehr unbewusst im Vergleich zum seelischen Bewusstsein ist. Und so stürzt es in Unbewusstheit. Es ist, als ob es auf den Kopf gefallen ist. Das betäubt es. Deshalb kennt es sich normalerweise für eine lange Zeit nicht aus, bis auf einige sehr, sehr seltene Ausnahmen. Es weiß nicht mehr, wo es ist, noch was es tut, noch warum es dort ist, überhaupt nichts. Es hat große Schwierigkeiten, sich auszudrücken, besonders nicht durch ein Baby, dessen Gehirn natürlicherweise kaum ausgebildet ist, – und es hat nicht die Mittel sich zu manifestieren. Darum geschieht es bei einem Kind sehr selten, dass sich das außergewöhnliche Wesen in ihm sofort manifestiert…. Dies geschieht. Wir haben von solchen Dingen gehört. Es passiert, aber in der Regel braucht es einige Zeit. Es erwacht nur langsam aus seiner Benommenheit und wird sich bewusst, dass es aus einem bestimmten Grund und aus eigener Wahl hier ist. Und normalerweise fällt dies mit der intensiven mentalen Erziehung zusammen, die dich völlig vom seelischen Bewusstsein ausschließt. Deshalb sind viele Umstände, Ereignisse jeder Art, Gefühle und alle möglichen Dinge notwendig, um die inneren Türen zu öffnen, damit man anfangen kann sich zu erinnern, dass man schließlich von einer anderen Welt und aus einem bestimmten Grund gekommen ist.
Andererseits, wenn alles normal vor sich gegangen wäre, könnte es sehr schnell eine Verbindung haben, sehr schnell. Wenn es das Glück hätte, jemanden zu finden, der ein bisschen Wissen hat, und wenn es statt in eine Welt der Unwissenheit zu fallen, auf ein wenig Wissen stieße, würde alles sehr schnell getan werden.