Kapitel 2

Die Mutter und der Zweck ihrer Inkarnation

Worte Sri Aurobindos

Die Eine, die wir als die Mutter verehren, ist die göttliche Bewusstseinskraft, die über alles Dasein herrscht, eine und dennoch so vielseitig, dass es selbst dem gewandtesten Verstand und der freiesten und weitesten Intelligenz unmöglich ist, ihrer Bewegung zu folgen. Die Mutter ist das Bewusstsein und die Kraft des Höchsten und steht hoch über allem, was sie erschafft. Doch etwas von ihrer Art und Weise lässt sich an ihren Verkörperungen erkennen und fühlen, und an dem Greifbareren, weil definierteren und begrenzteren Temperament und Wirken der Gottheitsformen, in denen sie ihren Geschöpfen sich zu offenbaren einwilligt.

Es gibt drei Seinsweisen der Mutter, deren du gewahr werden kannst, wenn du dich mit der Bewusstseinskraft zu einen beginnst, die uns und das Universum erhält. Transzendent, als die ursprüngliche und höchste Shakti, steht sie über den Welten und verbindet die Schöpfung mit dem ewig ungeoffenbarten Mysterium des Höchsten. Universal, als die kosmische Mahashakti, erschafft sie all diese Wesen und enthält in sich all diese Millionen Prozesse und Kräfte, tritt in sie ein und trägt und lenkt sie. Individuell, verkörpert sie die Macht dieser beiden umfassenderen Weisen ihres Seins, macht sie uns lebendig, bringt sie uns nah und vermittelt zwischen der menschlichen Persönlichkeit und der göttlichen Natur.

Die supramentale Wandlung ist eine beschlossene Sache und unausbleiblich in der Evolution des Erdbewusstseins; denn dessen Aufstieg ist noch nicht beendet und das Mental ist nicht sein letzter Gipfel. Damit die Wandlung aber kommen, Form annehmen und dauern kann, bedarf es des Rufes von unten mit dem Willen, das Licht, wenn es kommt, zu erkennen und nicht zu leugnen, und es bedarf der Gutheißung des Höchsten von oben. Die Macht, die zwischen der Gutheißung und dem Ruf vermittelt, ist die Gegenwart und Macht der Göttlichen Mutter. Die Kraft der Mutter allein und keine menschliche Anstrengung und Tapasya, kann den Deckel zerschmettern, die Hülle zerreißen, das Gefäß formen und in diese Welt der Dunkelheit und Falschheit, des Todes und des Leidens Wahrheit und Licht herniederbringen und göttliches Leben und des Unsterblichen Ananda.

Die Mutter kommt, um das Supramentale herabzubringen, und es ist die Herabkunft, die ihre volle Manifestation hier möglich macht.

Es gibt eine göttliche Kraft, die sowohl im Universum als auch im Individuum wirkt – und die auch jenseits von Individuum und Universum ist. Die Mutter steht für diese Kräfte, aber sie arbeitet hier im Körper, um etwas herabzubringen, das in dieser materiellen Welt noch unausgedrückt blieb, um das Leben hier zu transformieren. Du solltest sie daher als die Göttliche Shakti sehen, die hier für dieses Ziel arbeitet. Das ist sie im Körper; in ihrem Gesamtbewusstsein ist sie jedoch ebenfalls mit allen anderen Aspekten der Göttlichen Kraft identifiziert.

Es ist die Arbeit der Kosmischen Macht, den Kosmos und das Gesetz des Kosmos zu erhalten. Die größere Transformation kommt vom Transzendenten oberhalb des Universums, und es ist diese transzendente Gnade, die durch die Verkörperung der Mutter zur Wirkung gebracht wird.