Kapitel 2

Das Göttliche als Schönheit

Schönheit ist die Art und Weise, wie das Physische das Göttliche ausdrückt. Doch ist das Prinzip und Gesetz der Schönheit etwas Inneres und Spirituelles, das sich selbst durch die Form ausdrückt.

Schönheit ist die besondere göttliche Manifestation im Physischen, so wie es Wahrheit im Mentalen ist, Liebe im Herzen, Macht im Vitalen. Die supramentale Schönheit ist die höchste göttliche Schönheit, manifestiert in der Materie.

Gott als Schönheit, Sri Krishna in Brindavan, Shyamasundara, ist nicht nur Schönheit, Er ist ebenso Liebe, und ohne vollkommene Liebe kann es keine vollkommene Schönheit geben, und ohne vollkommene Schönheit kann es keine vollkommene Freude geben.

Die allgemeine Macht der Freude ist die Liebe. Die besondere Form, in der sich die Freude der Liebe zum Ausdruck bringt, ist die Schau der Schönheit. Der Gott-Liebende ist der universal Liebende. Er umfängt den All-Seligen und den All-Schönen. Wenn die universale Liebe sein Herz ergriffen hat, hat er das entscheidende Zeichen empfangen, dass das Göttliche ihn in Besitz genommen hat. Wenn er überall den All-Schönen erschauen und zu allen Zeiten die Seligkeit seiner Umarmung fühlen kann, hat er darin die entscheidende Bestätigung, dass er das Göttliche selbst besitzt. Das Einswerden ist die höchste Vollendung der Liebe, das gegenseitige Besitzen verleiht ihr größte Vollkommenheit und den höchsten Grad ihrer Intensität. Sie ist die Grundlage der Einung in seliger Verzückung.

Schönheit ist Gestalt annehmendes Ananda. Doch braucht die Gestalt keine physische Form. Man spricht von einem schönen Gedanken, einer schönen Tat, einer schönen Seele. Was wir mit Schönheit meinen, ist Ananda in der Manifestation. Jenseits der Manifestation verliert sich die Schönheit selbst in Ananda, oder, wie man auch sagen mag, Schönheit und Ananda werden ununterscheidbar eins.

Liebe und Schönheit sind Mächte des Ananda, so wie Licht und Wissen Mächte des Bewusstseins sind. Kraft wohnt dem Bewusstsein inne und mag als Teil der Göttlichen Essenz bezeichnet werden. Ananda ist immer gegenwärtig, selbst dann, wenn Sachchidananda einen unpersönlichen Aspekt annimmt oder als das eine essenzielle Dasein erscheint. Doch Liebe benötigt einen Liebenden und einen Geliebten, Schönheit benötigt für ihren Selbst-Ausdruck eine Manifestation. In der gleichen Weise ist Bewusstsein immer gegenwärtig, doch benötigt Wissen eine Manifestation, um wirksam zu sein. Es muss einen Wissenden und ein Gewusstes geben. Das ist der Grund, warum man einen Unterschied macht zwischen Ananda, der Essenz, und Schönheit, die eine Macht oder ein Ausdruck von Ananda in der Manifestation ist. Dies sind natürlich philosophische Unterschiede, die für den Verstand notwendig sind, über die Welt und das Göttliche nachzudenken.