Kapitel 12
DER SPIRIT UND DAS PSYCHISCHE WESEN
Spirituelle Erfahrung
Du sprichst von spiritueller Erfahrung. Was ist Erfahrung und wie kann man eine erlangen?
Es ist etwas, das dich mit einem sehr viel höheren Bewusstsein, als du es sonst hast, in Berührung bringt. Du hast in Bezug auf dich selbst ein bestimmtes Gefühl, du nimmst es nicht einmal wahr, es betrifft deinen gewöhnlichen Zustand, verstehst du. Nun, wenn dir innerlich plötzlich etwas sehr Andersartiges und viel Höheres bewusst wird, dann, was immer es sein mag, wird dies eine spirituelle Erfahrung sein. Du magst es durch eine mentale Idee ausdrücken oder auch nicht. Du magst es dir selbst erklären oder auch nicht. Es mag von Dauer sein oder nicht, es mag für einen Augenblick sein. Aber wenn es diesen wesentlichen Unterschied im Bewusstsein gibt, und wenn, natürlich, die Qualität dessen, was kommt, sehr… viel höher, klarer, reiner als das ist, was man normalerweise erlebt, dann kann man das eine spirituelle Erfahrung nennen. Dies bedeutet, dass es tausende verschiedene Dinge gibt, die als spirituelle Erfahrung bezeichnet werden können.
Sollten wir nach einer spirituellen Erfahrung streben?
Ich denke, es ist weiser, seine Sehnsucht darauf zu richten, fortzuschreiten oder bewusster zu werden oder sein Handeln zu verbessern, als nach einer spirituellen Erfahrung zu streben. Denn das könnte die Tür zu mehr oder weniger eingebildeten oder verfälschten Erfahrungen öffnen, den Regungen des Vitals, die sich den Anschein höherer Regungen geben. Man kann sich selbst durch ein Streben nach Erfahrungen betrügen. Tatsächlich muss die Erfahrung spontan erfolgen, als ein Ergebnis inneren Fortschritts, aber nicht als Selbstzweck.
Komme heraus aus Worten
Die Hauptschwierigkeit ist, dass du in Worten denkst, aber diese Worte sind bar aller Bedeutung. Meist sind es bloße Worte – du sprichst vom Göttlichen, vom Höchsten, von Yoga, du sagst viele Dinge, aber entspricht das in deinem Kopf etwas Konkretem? Einem Gedanken, einem Gefühl, einer klaren Vorstellung, einer Erfahrung? Oder sind es einfach Worte?
…Du musst die Sache sehen, die Erfahrung hinter den Worten. Hier sprechen wir von „Yoga“, aber woanders würde man es anders ausdrücken. Einige würden sagen: „Ich suche meine raison d`etre“. usw. Solche mit einer religiösen Neigung werden sagen: „Ich möchte die göttliche Gegenwart erfahren.“ Es gibt fünfzig Arten, diese Sache zu formulieren, aber es ist die Sache, die wichtig ist. Du musst sie in deinem Kopf fühlen, in deinem Herzen, überall. Sie muss konkret, lebendig sein, sonst kannst du nicht voranschreiten. Du musst aus den Worten herauskommen und in die Tat eintreten – in die Erfahrung, in das Leben.
„Damit“ in Kontakt treten
Es gibt „etwas“, es gibt eine Wirklichkeit jenseits all unserer Beschreibungen, mit der es uns aber gelingen kann, in Kontakt zu treten, indem wir eine Disziplin üben. Wir können uns mit dieser Wirklichkeit identifizieren. Sobald das geschehen ist, weiß man, was es ist, aber man kann es nicht ausdrücken, denn Worte können es nicht erklären. Daher, wenn du ein bestimmtes Vokabular benutzt, wenn du einer bestimmten Überzeugung anhängst, wirst du das Vokabular verwenden, das dieser entspricht. Gehörst du einem anderen Kreis an, der sich einer anderen Sprache bedient, wirst du es auf diese Weise benennen oder sogar so darüber denken. Ich erzähle euch das, um euch den rechten Eindruck davon zu vermitteln, das etwas existiert, das nicht erfasst – nicht durch das Denken – erfasst werden kann, das aber existiert. Auf den Namen jedoch, den du ihm verleihst, kommt es wenig an, er ist von keiner Bedeutung – es existiert. Und deshalb ist das einzige, was zu tun ist, mit ihm in Kontakt zu treten – nicht ihm einen Namen zu geben oder es zu beschreiben. Tatsächlich ist es kaum von Nutzen, das zu tun. Man muss versuchen, in Berührung zu gelangen, sich darauf zu konzentrieren, es zu leben, diese Realität zu leben, und welchen Namen du ihr auch immer gibst, er spielt überhaupt keine Rolle, sobald du die Erfahrung hast. Allein die Erfahrung zählt. Und wenn Menschen die Erfahrung mit einem bestimmten Ausdruck verknüpfen – und auf eine so beschränkte Art, so in sich selbst verkapselt, dass abgesehen von dieser Formel nichts zu finden ist, so ist dies etwas von geringem Wert. Man muss diese Wirklichkeit leben können, auf jedem nur erdenklichen Pfad, bei jeder Gelegenheit, in allen Umständen, jeder Gestaltung. Man muss sie leben, denn das ist in der Tat wahr, das ist in höchstem Maße gut, das ist allmächtig, das weiß alles, das… Ja, man kann es leben, aber man kann nicht darüber sprechen. Und wenn man spricht, dann hat alles, was man sagt, keine große Bedeutung. Es ist nur eine Ausdrucksweise, das ist alles. Es gibt eine ganze Richtung von Philosophen und auch Menschen, die den Begriff von Gott durch den eines unpersönlichen Absoluten oder den der Wahrheit, Gerechtigkeit oder sogar des Fortschritts ersetzt haben – von etwas ewig Fortschreitendem. Aber für jemanden, der die innere Fähigkeit besitzt, sich mit jenem zu identifizieren, hat das, was darüber gesagt wird, keine große Wichtigkeit. Manchmal mag man ein ganzes Buch über Philosophie lesen und kommt nicht einen Schritt voran. Manchmal mag man ein leidenschaftlicher Anhänger einer Religion sein, und man macht keinen Fortschritt. Es gibt Menschen, die das ganze Leben in Kontemplation sitzend verbracht und nichts erreicht haben. Es gibt Menschen (wir haben berühmte Beispiele), die die bescheidenste handwerkliche Arbeit zu tun pflegten, wie ein Flickschuster, der alte Schuhe ausbessert, und die eine Erfahrung hatten. Es ist vollständig jenseits dessen, was man darüber denkt und sagt. Es ist ein Geschenk, das da ist, das ist alles. Und alles, was notwendig ist, ist das zu sein – es zu schaffen, sich damit zu identifizieren und es zu leben. Manchmal liest man einen Satz in einem Buch, und der führt dich dorthin. Manchmal liest du ganze Bücher über Philosophie oder Religion, und sie bringen dich nirgendwo hin. Es gibt jedoch Menschen, denen das Lesen von philosophischen Büchern hilft, voranzukommen. Aber all diese Dinge sind zweitrangig. Es gibt nur eines, das wichtig ist: das ist ein aufrichtiger und beharrlicher Wille, denn diese Dinge vollziehen sich nicht im Handumdrehen. Deshalb muss man beständig sein. Wenn jemand das Gefühl hat, er mache keine Fortschritte, darf er nicht entmutigt sein. Er muss versuchen herauszufinden, was in seiner Natur Widerstand leistet und dann den notwendigen Schritt vorwärts tun. Und dann geht es plötzlich weiter. Und am Ende hat man eine Erfahrung. Und das Bemerkenswerte ist, dass Leute, die vollkommen unterschiedlichen Pfaden gefolgt sind, mit vollkommen unterschiedlichen mentalen Konstruktionen, vom überzeugtesten Gläubigen bis zum Ungläubigsten, sogar Materialisten, bei dieser Erfahrung angelangt sind, es ist für jeden dasselbe. Weil es wahr ist – weil es real ist, weil es die alleinige Wirklichkeit ist. Und es ist ganz einfach das. Mehr sage ich nicht. Es ist von keinerlei Bedeutung, wie man darüber spricht, was wichtig ist, ist dem Pfad zu folgen, deinem Pfad, ganz gleich, welchen – ja dort zu gehen.
Geburt in den Spirit
In der individuellen Existenz ist es (der Spirit), der den ganzen Unterschied ausmacht. So lange, wie man nur von ihm spricht und er etwas ist, über das man gelesen hat, von dessen Existenz man vage etwas weiß, er aber nicht eine ganz konkrete Realität für das Bewusstsein ist, bedeutet das, dass man noch nicht in den Spirit geboren ist. Und wenn das geschehen ist, wird er etwas viel Konkreteres, viel Lebendigeres, viel Wirklicheres, viel Greifbareres als die ganze materielle Welt. Und das macht den wesentlichen Unterschied zwischen den Wesen aus. Wenn das spontan real wird – die wahre, konkrete Existenz, die Atmosphäre, die man frei atmen kann – dann weiß man, dass man zur anderen Seite übergewechselt ist. Aber so lange, wie es etwas eher Unbestimmtes, Verschwommenes ist – du hast etwas davon gehört, du weißt, dass es existiert, aber… es besitzt keine konkrete Realität – nun, das bedeutet, dass die neue Geburt noch nicht stattgefunden hat.
Eine Wende des Bewusstseins
Es gibt einen Augenblick – weil es eine Frage ist, die immer intensiver und akuter wird – in dem du sogar das Gefühl hast, die Dinge seien genaugenommen fremdartig, das heißt nicht real. Es kommt ein Augenblick, in dem du diese Empfindung, die du von dir selbst hast, du selbst zu sein, seltsam wird, eine Art Eindruck von Unwirklichkeit. Und immer wieder taucht die Frage auf: „Aber dann, was bin ich?“ Nun, es gibt einen Augenblick, in dem sie sich in solcher Dichte und Eindringlichkeit aufdrängt, dass sich dadurch eine Wende vollzieht, und dann bist du statt auf dieser auf jener Seite, und wenn du da bist, ist alles sehr einfach. Du verstehst, du weißt, du bist, du lebst, und dann siehst du klar die Unwirklichkeit dessen, was übrig bleibt, und das ist genug.
Seht ihr, man muss vielleicht Tage, Monate, Jahre, Jahrhunderte, ganze Leben warten, bevor dieser Augenblick eintritt. Aber wenn man seine Sehnsucht verstärkt, gibt es einen Augenblick, in dem der Druck so stark und die Intensität der Frage so mächtig ist, dass etwas im Bewusstsein umschlägt, und dann ist es dies, was man unumstößlich fühlt: anstatt hier zu sein ist man dort, anstatt von außen zu sehen und sich darum zu bemühen, nach innen zu schauen, befindet man sich innen. Und im selben Augenblick, in dem man dort ist, verändert sich absolut alles, vollständig, und alles, was einem vorher wahr, natürlich, normal, real, greifbar erschien, alles das – ja, wirkt sehr grotesk, sehr sonderbar, sehr unwirklich, ganz absurd. Aber man hat etwas berührt, das in höchstem Maße wahr und ewig schön ist, und das verliert man niemals wieder.
Sobald die Wende stattgefunden hat, kannst du in ein äußeres Bewusstsein gleiten, nicht den gewöhnlichen Kontakt mit den Dingen des Lebens verlieren, aber das bleibt und weicht niemals. Vielleicht fällst du bei deinen Beziehungen mit anderen ein wenig in deren Unwissenheit und Blindheit zurück, aber es ist immer etwas da, lebendig, sich innerlich erhebend, das nicht mehr fortgeht, bis es ihm gelingt, alles zu durchdringen, bis zu dem Punkt, wo es vorüber ist und die Blindheit für immer verschwindet. Und das ist eine absolut greifbare Erfahrung, etwas Konkreteres als das konkreteste Objekt, konkreter als ein Schlag auf den Kopf, etwas Realeres als alles, was immer es sei.
Deshalb sage ich immer… wenn Leute mich fragen, wie man wissen könne, ob man in Kontakt mit seinem psychischen Wesen sei, oder wie man wissen könne, ob man das Göttliche gefunden habe, nun, das bringt mich zum Lachen; denn wenn dir das geschieht, ist das vorbei, du kannst nicht länger irgend welche Fragen stellen, es ist vollbracht. Du fragst nicht wie, es ist vollbracht.
Der Kontakt mit unserem psychischen Wesen
Im gewöhnlichen Leben gibt es unter einer Million Menschen nicht einen, der einen bewussten Kontakt zu seinem psychischen Wesen, nicht einmal vorübergehend, hat. Das psychische Wesen arbeitet vielleicht von innen, aber für das äußere Wesen so unsichtbar und ihm so unbewusst, als existierte es nicht. Aber in den meisten Fällen, der überwiegenden Mehrheit, fast der Gesamtheit, ist es, als schliefe es, überhaupt nicht aktiv, in einer Art Erstarrung.
Nur mit der Sadhana und beharrlicher Bemühung gelingt es uns, einen bewussten Kontakt mit dem psychischen Wesen herzustellen…
In beinahe, beinahe allen Fällen ist eine sehr, sehr dauerhafte Bemühung erforderlich, um des eigenen psychischen Wesens gewahr zu werden. Gewöhnlich betrachtet man es als einen Glücksfall, wenn man es in dreißig Jahren schafft – dreißig Jahre unermüdlicher Bemühung, sage ich. Es mag schneller gehen. Aber das ist so selten, dass man sofort sagt: „Das ist nicht ein gewöhnliches menschliches Wesen.“ Das verhält sich so bei Menschen, die man als mehr oder weniger göttliche Wesen betrachtet und die große Yogis waren, große Eingeweihte.
Das psychische Wesen
Das psychische Wesen ist ein Zentrum des Lichtes und der Wahrheit und des Wissens und der Schönheit und Harmonie, das das Göttliche Selbst nach und nach durch seine Gegenwart in jedem erschafft. Es wird beeinflusst, geformt und bewegt durch das göttliche Bewusstsein, von dem es ein wesentlicher Bestandteil ist. In jedem von euch ist es das tiefe innere Wesen, das ihr finden müsst, um mit dem Göttlichen in euch in Kontakt treten zu können. Es ist der Vermittler zwischen dem Göttlichen Bewusstsein und deinem äußeren Bewusstsein. Es ist der Baumeister des inneren Lebens. Es ist das, was in der äußeren Natur die Ordnung und das Gesetz des göttlichen Willens offenbart. Wenn du in deinem äußeren Bewusstsein deines psychischen Wesens in dir gewahr wirst und dich mit ihm einst, kannst du das reine Ewige Bewusstsein finden und in ihm leben. Anstatt, wie es dem menschlichen Wesen ständig widerfährt, von Unwissenheit getrieben zu werden, erwachst du zum Bewusstsein der Gegenwart eines ewigen Lichtes und einer ewigen Wahrheit in dir, und ihnen überantwortest du dich und weihst dich ihnen gänzlich und wirst in allen Dingen von ihnen geführt.
Denn dein psychisches Wesen ist der Teil deiner selbst, welcher dem Göttlichen schon gegeben ist. Es ist sein Einfluss, der sich allmählich von innen bis zu den äußersten und materiellen Grenzen deines Bewusstseins ausbreitet und der die Umwandlung deiner gesamten Natur hervorbringen wird. Es kann dort keine Finsternis geben. Es ist der lichtvolle Teil in dir. Die meisten Menschen sind sich dieses psychischen Teiles in sich unbewusst. Das Bestreben des Yoga geht dahin, sich dessen bewusst zu werden, so dass der Vorgang deiner Umwandlung, anstatt eine langsame, sich durch Jahrhunderte dehnende Mühsal zu sein, in ein Leben oder sogar einige wenige Jahre zusammengedrängt wird.
Es ist das psychische Wesen, das nach dem Tode fortdauert, denn es ist dein ewiges Selbst. Dieses ist es, das das Bewusstsein von Leben zu Leben fortträgt.
Das psychische Wesen ist die wirkliche Individualität der wahren göttlichen Individualität in dir. Denn deine Individualität bedeutet deine besondere Ausdrucksweise, und dein psychisches Wesen ist ein besonderer Aspekt des einen göttlichen Bewusstseins, das in dir Gestalt angenommen hat.
Der Tempel in dir
In den Tiefen deines Bewusstseins befindet sich das psychische Wesen, der Tempel des Göttlichen in dir. Dies ist das Zentrum, um welches sich die Einung all dieser verschiedenen Teile, all dieser widersprüchlichen Regungen deines Wesens vollziehen sollte. Sobald du das Bewusstsein des psychischen Wesens und seiner Sehnsucht erlangt hast, können diese Zweifel und Schwierigkeiten beseitigt werden. Es braucht mehr oder weniger Zeit, aber du wirst sicherlich schließlich erfolgreich sein. Sobald du dich dem Göttlichen zugewandt und gesagt hast: „Ich möchte dir gehören“, und das Göttliche: „Ja!“ gesagt hat, vermag dich die ganze Welt nicht davon abzuhalten. Wenn das zentrale Wesen seine Hingabe vollbracht hat, ist die Hauptschwierigkeit verschwunden. Das äußere Wesen ist wie eine Kruste. Bei gewöhnlichen Menschen ist sie so hart und so dick, dass sie sich des Göttlichen in sich selbst nicht bewusst ist. Wenn einmal, selbst für nur einen Augenblick, das innere Wesen gesagt hat: „Ich bin hier, und ich bin dein“, dann ist es, als sei eine Brücke geschlagen, und die Kruste wird allmählich dünner und dünner, bis die zwei Teile vollständig miteinander vereint und das innere und äußere Wesen eins sind.
Der Wert des physischen Körpers
Diese Art Arbeit, diese Harmonisierung und Organisation des Wesens um das göttliche Zentrum, kann nur in einem physischen Körper und auf der Erde vollbracht werden. Das ist der wahrhaft wesentliche und ursprüngliche Anlass für das physische Leben. Denn sobald du nicht mehr in deinem physischen Körper weilst, kannst du das nicht länger tun.
Und noch bemerkenswerter ist, dass nur Menschen dazu fähig sind, denn nur sie besitzen in dem psychischen Wesen in ihrer Mitte die göttliche Gegenwart…
Und dennoch, die meisten gelangen in einen physischen Körper, ohne den Grund zu kennen, die meisten durchschreiten dieses Leben, ohne zu wissen warum, sie verlassen ihren Körper unwissend und sie müssen dieselbe Sache immer wieder neu beginnen, auf unbestimmte Zeit, bis ihnen eines Tages jemand begegnet, der ihnen sagt: „Gib acht! Weißt du, dem Ganzen wohnt ein Zweck inne. Du bist hier für dieses Werk, versäume nicht deine Gelegenheit!“
Und wie viele Jahre werden verschwendet!
Die Arbeit des psychischen Wesens
Welche Arbeit leistet das psychische Wesen?
Welche Arbeit leistet das psychische Wesen? Du möchtest, dass es eine Arbeit hat? Was genau willst du sagen? Was ist seine Funktion? Ah! Nun gut! Man könnte es so ausdrücken, es ist wie ein elektrischer Draht, der den Generator mit der Lampe verbindet. Wenn jemand verstanden hat, so soll er erklären, was ich gesagt habe!…
Der Generator ist das Göttliche, und die Lampe ist der Körper.
Sie ist der Körper, sie ist das sichtbare Wesen.
Also, das ist seine Funktion. Das bedeutet, gäbe es nichts Psychisches in der Materie, wäre sie nicht fähig, irgend einen direkten Kontakt mit dem Göttlichen einzugehen. Und es ist glücklicherweise dieser psychischen Gegenwart in der Materie zu verdanken, dass der Kontakt zwischen ihr und dem Göttlichen unmittelbar sein und allen Menschen gesagt werden kann: „Du trägst das Göttliche in dir. Du musst nur in dein Inneres eintreten, und du wirst Ihn finden.“
Schwierigkeiten und das psychische Wesen
Ich denke, je psychischer man ist, desto mehr Schwierigkeiten hat man gewöhnlich. Nur, man ist gerüstet, diesen Schwierigkeiten zu begegnen. Aber je psychischer man ist, desto mehr befindet man sich im Widerspruch zum gegenwärtigen Zustand der Welt. Wenn man also im Gegensatz zu etwas steht, hat das Schwierigkeiten zur Folge. Und ich habe festgestellt, dass sehr oft die mit den meisten Schwierigkeiten diejenigen sind, die in mehr oder weniger engem Kontakt mit ihrem psychischen Wesen leben. Wenn du von äußeren Umständen sprechen möchtest – ich rede nicht vom Charakter, das ist etwas anderes, sondern von äußeren Umständen – die Leute, die am meisten zu kämpfen haben und am meisten Ursache zu leiden hätten, sind diejenigen, die ein sehr entwickeltes psychisches Wesen besitzen. Zunächst hat die Entwicklung des psychischen Wesens eine doppelte Wirkung als Begleiterscheinung. Das heißt mit seiner Entwicklung wächst die Empfindungsfähigkeit des Wesens. Und damit einher geht auch das Wachstum der Leidensfähigkeit. Aber da gibt es die Gegenseite, das heißt in dem Ausmaß, in dem man sich zum psychischen Wesen in Beziehung befindet, tritt man den Bedingungen des Lebens in völlig anderer Weise und in einer Art innerer Freiheit entgegen, was uns befähigt, uns von einem Umstand zurückzuziehen und den Schock nicht in der gewöhnlichen Weise zu erleben. Du kannst der Schwierigkeit oder äußeren Dingen mit Ruhe, Frieden und einem ausreichenden inneren Wissen ins Auge sehen, ohne beunruhigt zu werden. So bist du auf der einen Seite feinfühliger und verfügst auf der anderen über mehr Kraft, mit der Feinfühligkeit umzugehen.
Das Psychische und die Wahrheit
Identifiziert sich das psychische Wesen mit der inneren Wahrheit?
Es baut sich um sie herum auf und tritt mit ihr in Kontakt. Das Psychische wird durch die Wahrheit bewegt. Die Wahrheit ist etwas ewig aus sich selbst Existierendes und ist von nichts in Zeit und Raum abhängig, während das psychische Wesen ein Wesen ist, das wächst, Gestalt annimmt und sich selbst immer mehr individualisiert. Auf diese Weise wird es mehr und mehr befähigt, die Wahrheit zu offenbaren, die ewige Wahrheit, die eins ist und fortdauernd. Das psychische Wesen ist ein sich entwickelndes Wesen, was bedeutet, dass die Beziehung zwischen ihm und der Wahrheit eine sich entwickelnde ist. Es ist nicht möglich, des psychischen Wesens gewahr zu werden ohne gleichzeitig zum Bewusstsein der inneren Wahrheit zu erwachen. Alle, die diese Erfahrung hatten – nicht eine mentale Erfahrung, sondern eine ganzheitliche des Kontakts mit dem psychischen Wesen, nicht mit der Idee, die sie davon konstruiert haben, sondern einen konkreten Kontakt – alle sagen dasselbe: im selben Augenblick, in dem sich dieser Kontakt vollzieht, ist man sich der ewigen Wahrheit in sich selbst absolut bewusst, und man sieht, dass sie der Sinn des Lebens und die Führerin der Welt ist.
Das Wissen des Psychischen
Die Wahrnehmung des äußeren Bewusstseins mag die Wahrnehmung des Psychischen verleugnen. Aber das Psychische besitzt das wahre Wissen. Es sagt: „Ich weiß; ich kann keine Gründe nennen, aber ich weiß.“ Denn sein Wissen ist nicht mental, begründet auf Erfahrung oder als wahr erwiesen. Es glaubt nicht, nachdem Beweise erbracht wurden: Glaube ist die Bewegung der Seele, deren Wissen unmittelbar ist und direkt. Selbst wenn die ganze Welt nein sagt und tausend Beweise für das Gegenteil vorbringt, sie weiß dennoch durch ein inneres Wissen, eine direkte Wahrnehmung, die allem gegenüber Bestand hat, eine Wahrnehmung durch Identität. Das Wissen des Psychischen ist etwas Konkretes, Greifbares, eine solide Substanz. Du kannst es in dein Mental, dein Vital und deine Physis hineinbringen. Und dann besitzt du einen ganzheitlichen Glauben – einen Glauben, der wirklich Berge zu versetzen vermag.
Yoga mit dem Kopf machen
Ich glaube, es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen einer Bemühung zur Umwandlung, die genau dem psychischen Zentrum entstammt, und einer Art mentaler Konstruktion, um etwas zu erreichen.
Ich weiß nicht, es ist sehr schwierig, sich verständlich zu machen, aber so lange, wie die Sache im Kopf, auf diese Weise herumgeht (die Mutter lässt einen Finger in der Nähe der Stirn kreisen), hat sie keine Macht. Sie hat sehr wenig Kraft, die äußerst begrenzt ist. Man glaubt, man sammelt mit großer Anstrengung einen Willen, künstlich genug übrigens, und man versucht, etwas zu erhaschen, und im selben Augenblick ist alles entschwunden. Und man bemerkt es nicht einmal. Man fragt sich selbst: „Wie kommt es nur, dass es sich auf diese Weise entwickelt?“ Ich weiß nicht, aber es erscheint mir in der Tat sehr schwierig, den Yoga mit dem Kopf zu machen – wenn man nicht davon ergriffen ist.
Der Wille ist nicht im Kopf.
Der Wille – was ich den Willen nenne – ist etwas, das sich hier befindet (die Mutter zeigt auf die Mitte der Brust), das über eine Macht zum Handeln, eine Macht zur Verwirklichung verfügt.
Was man ausschließlich im Kopf tut, ist unzähligen Schwankungen unterworfen. Es ist zum Beispiel nicht möglich, eine Theorie zu entwerfen, ohne dass sich augenblicklich Dinge einmischen, welche Gegenargumente aufbringen. Und dann, weißt du, gibt es diese großartige Fähigkeit des Verstandes: er kann, was auch immer, beweisen und über alles mögliche streiten. Folglich kommt man nicht einen Schritt weiter. Selbst wenn man vorübergehend eine Idee, die eine gewisse Kraft besitzt, ergreifen kann, tauchen, wenn man diesen Zustand der Intensität nicht aufrechterhalten kann, alle die entgegengesetzten Dinge auf, sobald es ein Nachlassen gibt, und alle, wie ihr wisst, mit dem Charme ihrer eigenen Ausdrucksweise. Daher ist es eine endlose Schlacht.
Das Herz hat Schwingen
Es gibt Menschen, in denen die psychische Bewegung, der emotionale Impuls stärker ist als das intellektuelle Verstehen. Sie empfinden eine unwiderstehliche Anziehung für das Göttliche, ohne zu wissen, ohne die leiseste Ahnung zu haben, was es ist, was es sein kann, was es darstellt – nichts, keinen intellektuellen Begriff – aber eine Art Impuls, Anziehung, ein Bedürfnis, ein unausweichliches Bedürfnis.
Und diese Leute, die das haben, ich könnte sagen als eine Folge der Gnade, sie besitzen ein Mental, das sie nicht stört, nicht fragt, nicht diskutiert, sie kommen sehr schnell voran…
Es gibt andere, die zuerst verstehen, die sehr intellektuell sind, studiert haben, mit Worten und Ideen zu spielen vermögen, die dir brillante Vorträge über alle Philosophien, Religionen, alle menschlichen Entwürfe halten und die vielleicht Jahre brauchen, um einen Schritt voranzukommen. Weil sich das alles im Kopf abspielt.
Viele Dinge gehen im Kopf herum. Ich habe euch das bereits mehrere Male gesagt, der Kopf ist wie ein Öffentlicher Platz. Es kann alles dort beliebig eintreten, kommen, kreuzen, herausgehen und eine Menge Unordnung stiften. Und Leute, die die Gewohnheit haben, mit Ideen zu spielen, sind diejenigen, die am meisten behindert sind, weiterzukommen. Es ist ein Spiel, das hübsch ist und reizvoll. Es verschafft dir den Eindruck, du seiest bei weitem kein gewöhnlicher Mensch, nicht auf der Ebene des gewöhnlichen Lebens; aber das beschneidet die Flügel.
Es ist nicht der Kopf, der Schwingen hat; es ist das Herz.