Kapitel 1
Wer (Gedicht)
Im Blau des Himmels, im Grün des Waldes,
Wessen Hand hat den Schimmer gemalt?
Als die Winde noch schliefen im Schoße des Äthers,
Wer hat geweckt sie und ließ sie wehen?
Im Herz ist verloren Er, in der Höhle der Natur,
Er findet im Hirn sich, wo Denken Er baut:
In das Muster und die Blüte der Blumen ist Er eingewoben,
Im leuchtenden Netz der Sterne wird Er erhascht.
In der Stärke eines Mannes, der Schönheit einer Frau,
Im Lachen eines Jünglings, im Erröten einer Maid;
Die Hand, die Jupiter durch den Himmel wirbeln ließ,
Schenkt auch einer Locke all ihre Kunst.
Dies sind Seine Werke, SeineSchleier und Seine Schatten;
Wo aber ist Er? wie nennt Er sich denn?
Ist Er Brahma oder Vishnu? männlich oder weiblich?
Mit Leib oder ohne? zu zweit oder alleine?
Wir lieben Ihn als Knaben, dunkel und strahlend,
Eine Frau gebietet über uns, grimmig und nackt.
Wir sahen Ihn sinnieren auf schneebedeckten Bergen,
Wir haben Ihn bei der Arbeit im Herzen der Sphären erlebt.
Wir werden der ganzen Welt von Seinen Wegen und Seiner Schlauheit erzählen:
Ihn freuen Tortur und Passion und Pein;
Er genießt unseren Kummer und bringt uns zum Weinen,
Dann wieder lockt Er mit Seiner Freude und Seinem Glück.
Alle Musik ist nur der Klang Seines Lachens,
Alle Schönheit das Lächeln Seiner leidenschaftlichen Glückseligkeit;
Unser Leben ist Sein Herzschlag, unsere Verzückung die Hochzeit
Von Radha und Krishna, unsere Liebe deren Kuss.
Er ist Kraft, die laut schmettert im Schall von Trompeten,
Und Er fährt im Wagen und Er schleudert im Speer;
Er tötet ohne Unterlass und ist voller Mitgefühl;
Er kämpft für die Welt und ihre letzten Jahre.
Im Sausen der Welten, im Branden der Zeiten,
Unsäglich und mächtig, hoheitsvoll und rein,
Jenseits der letzten Zinne, die der Denker ergreift,
Da thront Er auf Sitzen, die auf ewig bestehen.
Des Menschen Meister und sein unendlicher Liebhaber,
Ist nah Er unseren Herzen, könnten wir sehen;
Uns blendet Hochmut und der Pomp unserer Leidenschaft,
Wir wähnen frei uns in denkender Fron.
In der Sonne ist Er es, der zeitlos und todlos,
Sein Schatten ist es, der da fällt in die Nacht;
Als blind noch das Dunkel in Dunkel versunken,
Da saß Er inmitten, unermesslich und allein.