Kapitel 1
Mütterliche Liebe bei Menschen und Tieren
Worte der Mutter
In der Blume ist es die Gabe der Schönheit und des Duftes in einem liebevollen Aufblühen. Und ist sie beim Tier nicht vorhanden hinter Hunger und Durst, dem Bedürfnis nach Inbesitznahme, Expansion, Fortpflanzung, kurz: hinter jedem Begehren, gleich ob bewusst oder nicht? Und bei den höheren Ordnungen in der sich aufopfernden Hingabe des Weibchens für ihre Jungen?
…die beim Menschen zu mütterlicher Liebe wird. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sie sich ihrer selbst bewusst ist. Und bei den Tieren ist sie oft sogar reiner als bei menschlichen Wesen. Es gibt Beispiele der Hingabe, Sorge, und Selbstvergessenheit von Tieren bei der Aufzucht ihrer Jungen, die absolut wundervoll sind. Nur ist sie spontan, ohne Nachdenken und Reflektieren; das Tier denkt nicht darüber nach, was es tut. Der Mensch denkt. Manchmal verdirbt dies die Regung (manchmal – meistens), manchmal kann es ihr einen größeren Wert verleihen, aber das ist selten. In der menschlichen Regung ist weniger Spontanität als in der des Tieres.
Ich hatte ein Kätzchen; nachdem es zum ersten Mal Junge bekommen hatte, wollte es nicht von ihrer Seite weichen. Es fraß nicht und befriedigte keines seiner natürlichen Bedürfnisse. Es blieb dort bei seinen Jungen, beschützte und säugte sie; es hatte solche Angst, dass ihnen etwas geschehen würde. Und das war vollkommen spontan. Es weigerte sich, sich wegzubewegen, so besorgt war es, dass ihnen ein Leid geschehen könnte, – ganz instinktiv. Und als sie dann größer waren, gab es sich so viel Mühe sie zu erziehen, – es war wunderbar. Und was für eine Geduld! Und wie es sie lehrte von Mauer zu Mauer zu springen, um ihr Futter zu erhaschen. Unglaublich, mit welcher Sorgfalt es das einmal, zehnmal, hundertmal wenn nötig wiederholte. Die Katze wurde nie müde, bis das Kleine das getan hatte, was sie wollte. Eine außergewöhnliche Erziehung. Sie lehrte sie Häuser zu umrunden, indem sie an den Mauern entlang gingen, so zu laufen, dass sie nicht fielen, und was zu tun war, wenn es von einer Mauer zur nächsten einen großen Abstand gab, und sie diesen überwinden mussten. Die Kleinen waren ziemlich ängstlich, als sie die Lücke sahen, und weigerten sich voller Furcht zu springen (es war nicht zu weit für sie, aber es gab eine Lücke, und sie hatten keinen Mut). Und dann sprang die Mutter auf die andere Seite, sie rief sie: kommt, kommt rüber. Sie bewegten sich nicht, sie zitterten. Sie sprang zurück und hielt ihnen eine Rede, gab ihnen kleine Schläge mit ihrer Pfote und leckte sie ab, doch sie kamen trotzdem nicht. Sie sprang. Ich sah sie dies länger als eine halbe Stunde tun. Aber dann, nach einer halben Stunde, fand sie, dass sie genug gelernt hatten. Deshalb stellte sie sich hinter ein Junges, das ihrem Gefühl nach das gelehrigste und geschickteste war, und stupste es hart mit ihrem Kopf an. Da sprang das Kleine instinktiv. War es einmal gesprungen, sprang es wieder und wieder….
Es gibt wenige Mütter, die diese Geduld haben….