Kapitel 1
Individueller und kollektiver Fortschritt
Worte der Mutter
Die Umstände, unter denen die Menschen auf Erden leben, sind das Ergebnis ihres Bewusstseinszustandes. Zu versuchen, die Umstände zu verändern ohne eine Wandlung des Bewusstseins, ist eine vergebliche Bemühung. All jene, die ein Gespür für das hatten, was sein könnte und getan werden sollte, um die Situation in den verschiedenen Lebensbereichen des Menschen – Ökonomie, Politik, Soziales, Wirtschaft, Erziehung oder Gesundheit – zu verbessern, sind genau die Menschen, die ihr Bewusstsein mehr oder weniger bis zu einem außergewöhnlichen Grad entwickelt haben und sich selbst mit den höheren Bewusstseinsebenen in Verbindung brachten. Doch ihre Ideen blieben im Ganzen nur Theorie; oder, wenn ein Versuch unternommen wurde, sie in die Tat umzusetzen, scheiterten sie über kurz oder lang immer kläglich: denn keine menschliche Organisation kann sich radikal wandeln, solange nicht das menschliche Bewusstsein selbst sich wandelt. Propheten einer neuen Menschheit sind einer dem anderen gefolgt, spirituelle wie soziale Religionen wurden geschaffen, ihre Anfänge waren zeitweise sehr vielversprechend. Da aber kein Wandel im Herzen der Menschen herbeigeführt wurde, traten die alten, in der menschlichen Natur begründeten Fehler allmählich wieder hervor, so dass man nach einiger Zeit feststellen musste, dass man sich noch fast an der gleichen Stelle befand, von der aus man so hoffnungsfroh und enthusiastisch aufgebrochen war. In dem Bestreben, die Lebensbedingungen zu verbessern, hat es immer zwei Tendenzen gegeben, die, obwohl sie sich scheinbar widersprachen, sich eher ergänzen und gemeinsam den Fortschritt ausarbeiten sollten. Die eine sucht eine Neuordnung der Gemeinschaft, etwas, dass zu einer effektiven Einung der Menschheit führt. Die andere erklärt, das aller Fortschritt zuerst vom Einzelnen gemacht werden müsse und fordert, dass dem Einzelnen jene Bedingungen gegeben werden sollten, in denen er sich frei entwickeln kann. Beide besitzen die gleiche Wahrheit und Notwendigkeit, und unsere Bemühung sollte von beiden Bewegungen geprägt sein. Kollektiver Fortschritt und individueller Fortschritt sind voneinander abhängig. Bevor der Einzelne einen Schritt nach vorne machen kann, ist es notwendig, dass ein ebensolcher Fortschritt im kollektiven Leben gemacht wird. Deshalb muss ein Weg gefunden werden, auf dem der zweifache Fortschritt gleichzeitig vollzogen werden kann.