Kapitel 1
Die Gewohnheit des Kritisierens
Worte Sri Aurobindos
Kehre die Fehler der anderen nicht so sehr hervor. Es ist nicht förderlich. Bewahre in deiner Haltung immer Ruhe und Frieden.
Worte Sri Aurobindos
Das ist ganz richtig. Nur die Wohlgesinnten vermögen zu helfen; natürlich sollte man auch fähig sein, die Fehler der anderen ohne Hass zu sehen. Hass verletzt beide Parteien und hilft keiner.
Worte Sri Aurobindos
Es ist nichts dagegen einzuwenden, [bei anderen] etwas zu erkennen und zu beobachten, wenn es mit Sympathie und Unvoreingenommenheit geschieht; was eine schlechte Atmosphäre für einen selbst und für andere schafft, ist die Neigung, unnötig zu kritisieren, Fehler zu sehen und andere zu verurteilen (häufig ganz zu Unrecht). Warum auch diese Härte und dieses todsichere Urteil? Hat nicht jeder seine eigenen Fehler – woher also dieser Eifer, bei anderen Fehler zu entdecken und zu verurteilen? Manchmal hat man etwas zu beurteilen, was aber nicht hastig oder mit kritischer Einstellung geschehen sollte.
Worte Sri Aurobindos
Die Menschen verstehen es immer besser, die Arbeit der anderen scharf zu kritisieren und ihnen zu sagen, wie die Dinge eigentlich zu geschehen hätten und was zu unterlassen sei, als selbst auf gekonnte Weise die gleichen Fehler zu vermeiden. Tatsächlich sieht man in anderen oft Fehler, die man selbst hat, aber nicht erkennt. Diese und andere Mängel sind in der menschlichen Natur weit verbreitet, und nur wenige entgehen ihnen. Das menschliche Mental ist sich seiner nicht wirklich bewusst – das ist der Grund, weshalb man im Yoga immer sehen und erkennen muss, was in einem selbst ist, und zunehmend bewusster zu werden hat.
Worte Sri Aurobindos
Die Gewohnheit des Kritisierens – meist ein unkundiges Kritisieren von anderen –, vermischt mit allen möglichen Einbildungen, Rückschlüssen, Übertreibungen, falschen Auslegungen, sogar groben Erfindungen, ist eine der universalen Krankheiten des Ashrams. Es ist eine Krankheit des Vitals, unterstützt vom physischen Mental, das sich zum Handlanger des Vergnügens an dem seichten und schädlichen Treiben des Vitals macht. Wenn die innere Erfahrung eine wahrhaft umwandelnde Auswirkung auf das äußere Leben haben soll, ist es absolut notwendig, das Sprechen zu kontrollieren sowie diese Krankheit und die Gelüste des Vitals zurückzuweisen.
Worte Sri Aurobindos
Selbst eine boshafte (eine unfaire oder in böser Absicht geäußerte) Kritik kann manchmal durch einen bestimmten Aspekt hilfreich sein, wenn man fähig ist, sie unberührt von ihrer Unbilligkeit zu betrachten.
Worte Sri Aurobindos
Ja, all das ist wahr. Das niedere Vital findet ein gemeines und minderwertiges Vergnügen daran, die Fehler der anderen herauszupicken; hierdurch wird der eigene Fortschritt und der des Opfers der Kritik gehemmt.
Worte Sri Aurobindos
Es ist ein großer Fehler des menschlichen Vitals, Verlangen nach Komplimenten um ihrer selbst willen zu hegen und, wenn es sie nicht erhalten kann, sich niederdrücken zu lassen und zu glauben, es würde an Fähigkeiten fehlen. Was immer man in dieser Welt tut, beginnt man mit Unwissenheit und Unvollkommenheit – man muss seine Fehler entdecken und aus ihnen lernen, man muss Irrtümer begehen und, indem man sie korrigiert, herausfinden, wie die Dinge auf die richtige Art zu tun sind. Niemand auf der Welt kann sich von diesem Gesetz befreien. Daher sollte man von anderen keine Komplimente erwarten, sondern einfach ein Lob für das, was gut und richtig, und eine Kritik über das, was irrig und falsch ist. Je mehr man Kritik zu ertragen und seine Fehler zu erkennen vermag, desto wahrscheinlicher ist es, zur Vollendung seiner Fähigkeiten zu gelangen. Besonders wenn man jung ist, vor der Reife, ist es nicht einfach, vollkommene Arbeit zu leisten. Was man das Jugendwerk von Dichtern und Malern nennt, die Arbeit ihrer frühen Jahre, ist immer unvollkommen – es ist ein Versprechen und hat gute Eigenschaften –, doch die wirkliche Vollendung und der volle Gebrauch ihrer Kräfte kommen erst später. Sie selbst wissen dies sehr gut und schreiben oder malen dennoch weiter, da sie ebenfalls wissen, dass sie hierdurch ihre Fähigkeiten entwickeln.
Man sollte sich nicht mit anderen vergleichen. Jeder hat seine eigene Lektion zu lernen, seine eigene Arbeit zu verrichten und sollte sich allein hiermit befassen und nicht mit der Frage, ob der Fortschritt von anderen dem seinen überlegen oder unterlegen ist. Auch wenn man jetzt noch nicht so weit ist, kann man seine volle Fähigkeit später erlangen, und hat nur auf diese künftige Vollkommenheit der Kräfte hinzuarbeiten. Du bist jung und hast erst noch alles zu lernen, deine Fähigkeiten knospen erst und du musst warten und an ihrer vollen Entfaltung arbeiten; dabei solltest du dich nicht darum kümmern, ob es Monate und gar Jahre beansprucht, zu etwas Befriedigendem und Vollendetem zu gelangen. Alles wird zur rechten Zeit kommen, und die Arbeit, die du jetzt tust, ist immer nur ein erster Schritt darauf zu.
Lerne aber, Kritik und das Aufzeigen deiner Fehler willkommen zu heißen – umso schneller wirst du voranschreiten.
Worte der Mutter
Wenn die Menschen nur ein wenig still sein würden, bevor sie sprechen, handeln oder schreiben, könnte viel Ärger vermieden werden. So viele Dinge werden sinnlos gesagt, sie bringen Missverständnisse und schlechte Gefühle mit sich, die durch Schweigen hätten vermieden werden können.
Worte der Mutter
Es ist immer ein Zeichen von Stärke, Dinge auf sanfte Weise zu sagen, und es ist immer Schwäche, wenn man mit unerfreulichen Dingen herausplatzt.
Worte der Mutter
Wenn man in Unwissenheit schlecht über andere spricht, entwürdigt man sein Bewusstsein und erniedrigt seine Seele.
Ein respektvolles und bescheidenes Schweigen ist die einzige Haltung, die einem Jünger angemessen ist.